Über den Autor
Andrey Kot
Als Kind wollte ich oft wissen, was nach der letzten Seite passiert. Manchmal musste ich es mir selbst ausdenken.


Vier Jahre alt. Die Weltlage im Blick.
Lesen lernte ich früh. Mit etwa vier Jahren, als wir im Norden lebten, hielt ich meiner Familie schon kleine Nachrichtenrunden ab. Meine Eltern und meine ältere Schwester kamen von der Arbeit, und ich las ihnen aus der Zeitung vor — einschließlich der Mitteilungen des Politbüros.
Unter dem Tisch las ich allein. Dort versteckte ich mich vor dem Babajka, dem Schreckgespenst, vor dem ich als Kind Angst hatte.
Wie gut ich die internationale Lage damals verstand, bleibt offen. Mit dem Lesen gab es offenbar keine Schwierigkeiten.
In unserer Familie lasen alle. Meine Eltern waren Ingenieure, mein Bruder wurde Physiker, meine Schwester schloss die Schule mit einer Goldmedaille ab. Bücher waren nichts Ungewöhnliches. Vielleicht habe ich es damit nur ein wenig übertrieben.

Gesundheitlich unauffällig. Schulisch nicht immer anwesend.
Aufgewachsen bin ich in Kropotkin, einer kleinen Stadt in der Region Krasnodar. Ungefähr in der vierten Klasse stellte ich fest, dass die Bibliothek interessanter war als manche Unterrichtsstunde. Also machte ich mich morgens für die Schule fertig, nahm ein Butterbrot mit und ging … in die Bibliothek. Dort verbrachte ich den Schultag.
Die Sache flog auf, als meine Lehrerin meine Mutter traf und besorgt nach meinem Gesundheitszustand fragte.
Mein Leseplan folgte keiner erkennbaren Ordnung: Dumas, Jules Verne, Wladislaw Krapiwin, Homer, Vergil, Ovid. Sogar Aristophanes kam an die Reihe, obwohl ich für seine Komödien vermutlich noch etwas hätte wachsen dürfen.
Wenn fremde Geschichten nicht mehr reichen
Nach Alexander Wolkows Büchern über das Zauberland wollte ich wissen, wie es weiterging. Statt auf eine Fortsetzung zu warten, versammelte ich Freunde in meinem Zimmer, und wir erfanden eigene Abenteuer. Wir waren etwa zehn oder elf.
An eine literarische Laufbahn dachte niemand. Wir wollten die Geschichte einfach noch nicht verlassen. In der Schule mochte ich Aufsätze mit freier Themenwahl: Endlich durfte man sich selbst etwas ausdenken, statt die richtige Antwort wiederzugeben.
Ein Umweg zurück zum Schreibtisch
Nach der Schule absolvierte ich ein Fremdspracheninstitut und erwarb später einen wissenschaftlichen Abschluss in Philologie. Es folgten eine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung und ein MBA an der Stockholm School of Economics. Ein geradliniger Bildungsweg sieht vermutlich anders aus.
Während des Studiums schrieb ich weiter, meist für mich selbst. Viele Entwürfe sind nicht erhalten geblieben — vielleicht erspart mir das heute die eine oder andere Verlegenheit. Dann drängten Arbeit und Alltag das Schreiben in den Hintergrund. Einen feierlichen Beschluss aufzuhören gab es nicht. Andere Dinge waren nur hartnäckiger.
Nach meinem Umzug in die USA, wo ich heute lebe, kehrte ich zum Schreiben zurück. Ich begann wieder, Geschichten zu erfinden.
Jede Geschichte braucht ihre eigene Stimme
Ich schreibe komische und historische Fantasy, Geschichten über menschliche Widersprüche und Unternehmenssatire. Mich reizen neue Tonlagen und Figuren, die mit ihren Vorgängern wenig gemeinsam haben.
Gegen Fortsetzungen habe ich nichts. Aber eine Geschichte braucht ihren eigenen Weg und ein Ende. Wenn neue Abenteuer nur alte Konflikte wiederholen, sollte man die Figuren vielleicht gehen lassen.
Ein gutes Buch kann zum Lachen bringen, überraschen, ärgern oder ein paar Stunden in einer Welt schenken, die es nie gegeben hat. Besonders mag ich Geschichten, die nach der letzten Seite noch bleiben. Damit hat bei mir schließlich alles angefangen.
Meine Bücher
Bleistiftillustrationen nach Kindheitserinnerungen.
Aktualisiert:


